Ratgeber
Lehrlinge finden: So erreichen Handwerksbetriebe in NÖ und im Burgenland die Richtigen
Lehrlinge finden ist für viele Handwerksbetriebe in Niederösterreich und im Burgenland zur Daueraufgabe geworden. Die Stelle ist ausgeschrieben, das Schild hängt am Tor, und trotzdem kommen kaum Bewerbungen. Gleichzeitig suchen in Österreich so viele Jugendliche eine Lehrstelle wie seit Langem nicht. Wie passt das zusammen? In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wo Jugendliche heute unterwegs sind, mit welchen neun Wegen Sie sie erreichen, wann Sie damit anfangen sollten und was Sie bei Videos mit Lehrlingen rechtlich beachten müssen.
Zahlen Stand Oktober 2026

Mehr Suchende als Lehrstellen und trotzdem keine Bewerbungen?
Die Zahlen überraschen viele Betriebe. Im September 2026 waren in Österreich laut AMS 11.693 Jugendliche auf Lehrstellensuche, um 8 % mehr als ein Jahr davor. Offene Lehrstellen gab es nur 7.716. Rechnerisch fehlen also fast 4.000 Lehrstellen, nicht Lehrlinge. (Quelle: AMS-Auswertung, news.at)
Auch im Burgenland zeigt sich das. Laut einem AMS-Bericht vom August 2026 gab es rund um Eisenstadt, Mattersburg und Oberwart mehr Lehrstellensuchende als offene Stellen. In den Regionen Neusiedl am See, Oberpullendorf sowie Stegersbach und Jennersdorf war es umgekehrt. (Quelle: MeinBezirk.at)
Gleichzeitig ist die Lehre im Handwerk wichtiger denn je. Ende 2025 gab es in Österreich 102.878 Lehrlinge, um 3,4 % weniger als im Jahr davor. Mit 43.965 Lehrlingen bildet die Sparte Gewerbe und Handwerk mit Abstand die meisten aus. (Quelle: WKO Lehrlingsstatistik)
Ein Teil der Lücke liegt an Beruf und Region: Nicht jeder Suchende passt zu jeder Stelle. Für Betriebe rund um Eisenstadt und Mattersburg heißt das trotzdem: Die Jugendlichen gibt es. Sie kennen Ihren Betrieb nur oft nicht, wissen nicht, wie der Alltag bei Ihnen aussieht, oder bekommen Ihre Stelle nie zu sehen. Und wo es mehr Stellen als Bewerber gibt, gewinnt der Betrieb, der sichtbarer ist als die anderen.
Wo Jugendliche heute unterwegs sind
Der Jugend-Internet-Monitor 2026 von Saferinternet.at hat 500 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren in ganz Österreich befragt. So viele nutzen die wichtigsten Plattformen:
| Plattform | Anteil der 11- bis 17-Jährigen |
|---|---|
| 82 % | |
| YouTube | 76 % |
| Snapchat | 65 % |
| TikTok | 64 % |
| 64 % |
Quelle: Jugend-Internet-Monitor 2026, Saferinternet.at
Die meisten Plattformen haben im Vergleich zum Vorjahr etwas verloren, die Jugendlichen sind aber weiterhin dort. Wer TikTok oder Instagram nutzt, tut das großteils täglich. Und vor allem schauen Jugendliche dort kurze Videos.
Dazu kommt: Bei 14- und 15-Jährigen reden bei der Wahl der Lehrstelle in der Regel die Eltern mit. Sie sind auf anderen Kanälen unterwegs, auf Facebook, auf WhatsApp, auf Ihrer Website. Wer Lehrlinge finden will, muss also zwei Zielgruppen erreichen: die Jugendlichen und ihre Eltern.
9 Wege, Lehrlinge zu finden
1. Die Lehrstelle in der Lehrstellenbörse von AMS und WKO eintragen
Die gemeinsame Lehrstellenbörse von AMS und Wirtschaftskammer ist für Betriebe kostenlos. Jugendliche sehen Ihre Stelle dort im eJob-Room des AMS, auch ohne Vermittlungsauftrag. Das ist die Grundlage, die jeder Lehrbetrieb nutzen sollte. Eine aktive Suche ersetzt sie aber nicht. Zur Lehrstellenbörse der WKO
2. Eine Karriereseite, die Fragen beantwortet
Wer sich für Ihre Stelle interessiert, landet früher oder später auf Ihrer Website. Dort sollte er Antworten finden, nicht nur eine Telefonnummer. Eine gute Karriereseite zeigt:
- welchen Lehrberuf Sie anbieten und wie lange die Lehre dauert,
- wie hoch die Lehrlingsentschädigung ist, in Euro,
- wie ein normaler Arbeitstag aussieht, am besten in einem kurzen Video,
- wer der Ausbildner ist, mit Foto,
- wie man sich bewirbt, möglichst einfach, zum Beispiel per WhatsApp,
- und dass man bei Ihnen schnuppern kann.
3. Schnuppertage anbieten
Für viele Jugendliche entscheidet der Schnuppertag. Ein paar Tage im Betrieb sagen mehr als jede Anzeige. Dabei gelten Regeln: Bei der individuellen Berufsorientierung dürfen Schülerinnen und Schüler ab der 8. Schulstufe mit Zustimmung der Eltern an höchstens 15 Tagen pro Betrieb und Kalenderjahr schnuppern. Sie arbeiten dabei unentgeltlich, beobachten und probieren einzelne Tätigkeiten aus, werden aber nicht wie Mitarbeiter in den Arbeitsablauf eingeplant. Ein Lehr- oder Arbeitsverhältnis entsteht dadurch nicht. Alle Details bei der WKO
Unser Tipp: Bereiten Sie den Schnuppertag vor. Eine fixe Ansprechperson, eine kleine Aufgabe, bei der am Ende etwas Fertiges in der Hand liegt, und ein kurzes Gespräch zum Schluss. Genau davon erzählen Jugendliche danach zu Hause und in der Schule.
4. Mit Schulen in der Region zusammenarbeiten
Polytechnische Schulen und Mittelschulen suchen laufend Betriebe für Betriebsbesuche und berufspraktische Tage. Rufen Sie an und bieten Sie an, dass eine Klasse vorbeikommt oder dass Ihr Lehrling in der Schule erzählt, wie seine Lehre aussieht. Ein Lehrling, der gerade selbst 16 ist, überzeugt Jugendliche mehr als jeder Chef.
5. Die Eltern ansprechen
Eltern wollen wissen, ob ihr Kind bei Ihnen gut aufgehoben ist und ob die Lehre eine Zukunft hat. Geben Sie ihnen die Antworten: auf der Karriereseite mit einem eigenen Abschnitt für Eltern, bei Elternabenden in der Schule oder bei einem Tag der offenen Tür. Zeigen Sie, was nach der Lehre möglich ist, etwa Lehre mit Matura, Meisterprüfung oder eine Führungsrolle im Betrieb.
6. Die eigenen Lehrlinge als Botschafter
Ihre Lehrlinge kennen genau die Leute, die Sie suchen: Schulkollegen, Freunde, jüngere Geschwister. Sagen Sie ihnen, dass Sie jemanden suchen, und machen Sie es ihnen leicht, davon zu erzählen. Ein zufriedener Lehrling ist die glaubwürdigste Werbung, die Sie haben.
7. Recruiting-Reels auf TikTok und Instagram
Jugendliche verbringen ihre Zeit auf TikTok, Instagram und YouTube, und sie schauen dort vor allem kurze Videos. Genau dort können Sie zeigen, was eine Stellenanzeige nicht kann: wie das Team ist, wie die Werkstatt aussieht, was man an einem normalen Tag macht. Das sind die Fragen, die über eine Bewerbung entscheiden.
Fünf Formate, die sich bewährt haben:
- „Ein Tag als Lehrling“. Vom Arbeitsbeginn bis zum Feierabend in 30 Sekunden.
- „Mein Lieblingswerkzeug“. Ein Lehrling erklärt, was ein Werkzeug kann und wofür er es braucht.
- „Was ich im ersten Lehrjahr gelernt habe“. Ehrlich, auch das, was am Anfang schwer war.
- „Vorher und nachher“. Ein Projekt, an dem der Lehrling mitgearbeitet hat, vom ersten bis zum letzten Handgriff.
- „Der Chef antwortet“. Echte Fragen von Jugendlichen: Was verdient man? Gibt es Lehre mit Matura? Wann fängt man in der Früh an?
Damit die Videos funktionieren, sollten Sie ein paar Regeln beachten:
- Die ersten zwei Sekunden entscheiden. Starten Sie mit etwas, das hängen bleibt: Funken, ein Motor, ein fertiges Werkstück.
- Untertitel sind Pflicht. Viele Videos werden ohne Ton geschaut.
- Lehrlinge in den Mittelpunkt. Jugendliche wollen sehen, mit wem sie arbeiten werden.
- Ehrlich statt Werbefilm. Schmutzige Hände und ein echtes Lachen wirken besser als Hochglanz.
- Klare Aufforderung. Zum Beispiel: „Schreib uns auf WhatsApp und komm schnuppern.“
- Regelmäßig posten. Lieber zwei Videos pro Monat über das ganze Jahr als zehn im Februar.
Mit dem Handy können Sie anfangen. Wenn die Videos professionell aussehen sollen und Sie keine Zeit für Dreh und Schnitt haben, können Sie Ihr Recruiting-Video drehen lassen. Was das kostet, lesen Sie in unserem Ratgeber Was kostet Social Media Betreuung?.
8. Gezielt in der Region werben
Mit bezahlten Anzeigen auf Instagram, Facebook oder TikTok erreichen Sie Jugendliche in Ihrer Umgebung auch dann, wenn sie Ihrem Betrieb noch nicht folgen. Wichtig zu wissen: In der EU dürfen Plattformen Jugendlichen unter 18 keine Werbung auf Basis ihrer Interessen zeigen. Sie können Anzeigen für diese Altersgruppe nur nach Alter und Ort ausrichten. Für die Lehrlingssuche reicht das, denn ein enger Radius um Ihren Betrieb ist genau, was Sie brauchen. Und weil der Radius klein ist, reicht schon ein kleines Budget. Mit einer zweiten Anzeige können Sie zusätzlich die Eltern ansprechen.
9. Lehrlingsmessen und Berufsinfotage
Bei Berufsinfotagen und Lehrlingsmessen in Ihrer Region treffen Sie Jugendliche und Eltern persönlich. Nehmen Sie Ihren Lehrling mit, zeigen Sie Ihre Videos auf einem Bildschirm und geben Sie etwas mit, das an Sie erinnert. Termine erfahren Sie bei der Wirtschaftskammer und bei den Schulen in Ihrer Umgebung.
Der Zeitplan: Wann Sie mit der Lehrlingssuche anfangen sollten
Die meisten Lehrverhältnisse beginnen im Sommer, meist im August oder September. Viele Jugendliche bewerben sich aber schon im Februar und März. Wer erst im Juni zu suchen beginnt, ist spät dran.
| Zeitraum | Was Sie tun |
|---|---|
| September bis November | Kontakt zu Schulen aufnehmen, Schnuppertage anbieten, Karriereseite aufbauen |
| Dezember bis Jänner | Recruiting-Videos drehen und veröffentlichen, Stelle in der Lehrstellenbörse eintragen |
| Februar bis April | Hauptphase: schnell auf Anfragen antworten, Schnuppertage, Gespräche führen |
| Mai bis Juli | Zusagen geben, Lehrvertrag abschließen, Kontakt bis zum Start halten |
| August bis September | Lehrbeginn, gute Einführung und dabei schon Material für die Videos im nächsten Jahr sammeln |
Was in eine gute Lehrstellen-Ausschreibung gehört
Eine Ausschreibung, die Fragen offenlässt, verliert gegen eine, die sie beantwortet. Diese acht Punkte gehören hinein:
- Lehrberuf und Dauer der Lehre.
- Die Lehrlingsentschädigung in Euro, mindestens für das erste Lehrjahr. Sie steht im Kollektivvertrag, und wer mehr zahlt, sollte es dazuschreiben.
- Arbeitszeit und Arbeitsort. Wann beginnt der Tag, ist man auf Baustellen unterwegs?
- Was man lernt. Konkret, nicht „vielseitige Tätigkeiten“.
- Eine Ansprechperson mit Namen, Foto und Telefonnummer, am besten mit WhatsApp.
- Was Sie zusätzlich bieten, zum Beispiel Lehre mit Matura, eigenes Werkzeug, Prämien für gute Noten oder einen Zuschuss zum Führerschein.
- Eine einfache Bewerbung. Ein Schnuppertag statt eines Bewerbungsschreibens, eine Nachricht statt eines Lebenslaufs.
- Ein Video, das zeigt, wie es bei Ihnen aussieht.
Fotos und Videos mit Lehrlingen: Das sollten Sie rechtlich beachten
Videos mit echten Lehrlingen wirken am besten. Damit sie keine Probleme machen, sollten Sie ein paar Punkte beachten:
- Schriftliche Einwilligung vor dem Dreh. Schreiben Sie hinein, wo die Videos verwendet werden, zum Beispiel auf Instagram, TikTok, Ihrer Website und in Stellenanzeigen. Eine Einwilligung nur für die Website deckt Social Media nicht automatisch ab.
- Bei Minderjährigen beide Unterschriften. Holen Sie bei Lehrlingen unter 18 die Unterschrift des Lehrlings und die der Erziehungsberechtigten ein.
- Widerruf ernst nehmen. Eine Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Dann muss das Video offline.
- Niemand muss vor die Kamera. Wer nicht gefilmt werden möchte, bleibt hinter der Kamera. Das darf keine Nachteile haben.
Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung. Im Zweifel hilft Ihnen das Rechtsservice Ihrer Wirtschaftskammer weiter.
Förderungen für Lehrbetriebe
Wer Lehrlinge ausbildet, kann über die betriebliche Lehrstellenförderung der WKO eine Basisförderung beantragen. Seit 1. Juli 2026 gilt dabei eine Änderung: Für Lehrjahre, die ab diesem Datum enden, beträgt die Basisförderung 75 % der bisherigen Berechnungsgrundlage. Für einen Lehrling pro Betrieb und Kalenderjahr gibt es weiterhin 100 %. Diesen Lehrling müssen Sie beim Antrag kennzeichnen. Der Antrag ist innerhalb von drei Monaten nach dem Ende des jeweiligen Lehrjahres zu stellen. Einen Rechtsanspruch auf die Förderung gibt es nicht.
Daneben gibt es weitere Förderungen, etwa für Zusatzausbildungen oder besonders gute Prüfungsergebnisse. Den aktuellen Überblick finden Sie bei der WKO unter Förderungen Lehre und bei der Lehrlingsstelle Ihres Bundeslands.
Lehrlinge halten: Die ersten Wochen entscheiden
Einen Lehrling zu finden ist die eine Hälfte. Die andere ist, dass er bleibt. Vor allem die ersten Wochen prägen, wie ein Jugendlicher die Lehre erlebt:
- Eine fixe Ansprechperson, die sich Zeit nimmt und auch bei kleinen Fragen da ist.
- Ein guter erster Tag: das Team kennenlernen, die Werkstatt zeigen, Sicherheit erklären.
- Früh echte Aufgaben, nicht nur Zusehen und Zusammenräumen.
- Regelmäßiges Feedback, kurz und ehrlich.
- Teil des Teams sein, beim gemeinsamen Mittagessen genauso wie bei der Weihnachtsfeier.
Und ein angenehmer Nebeneffekt: Ein Lehrling, der sich wohlfühlt, ist das beste Recruiting-Video für das nächste Jahr.
Häufige Fragen
Wie finde ich schnell einen Lehrling?
Tragen Sie die Stelle sofort in die Lehrstellenbörse von AMS und WKO ein, bieten Sie Schnuppertage an und fragen Sie Ihre Lehrlinge und Mitarbeiter, ob sie jemanden kennen. Social Media wirkt am besten, wenn Sie früh anfangen und regelmäßig posten, idealerweise schon im Herbst vor der Bewerbungsphase.
Wo suchen Jugendliche nach einer Lehrstelle?
Auf mehreren Wegen gleichzeitig: in der Lehrstellenbörse, über die Schule, über Eltern und Freunde und auf Social Media. Laut Jugend-Internet-Monitor 2026 nutzen 76 % der 11- bis 17-Jährigen YouTube und je 64 % TikTok und Instagram.
Lohnt sich TikTok für einen Handwerksbetrieb?
Ja, wenn Sie regelmäßig und ehrlich zeigen, wie es bei Ihnen aussieht. Ihre Zielgruppe ist dort. Lustig oder perfekt müssen die Videos nicht sein. Wichtiger ist, dass man Ihr Team und Ihre Arbeit sieht.
Dürfen Lehrlinge in Videos vorkommen?
Ja, mit einer schriftlichen Einwilligung. Bei Lehrlingen unter 18 sollten sowohl der Lehrling als auch die Erziehungsberechtigten unterschreiben. Die Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden.
Wann bewerben sich die meisten Lehrlinge?
Viele Jugendliche bewerben sich im Februar und März, die Lehre beginnt meist im August oder September. Starten Sie deshalb schon im Herbst mit Schnuppertagen und spätestens im Jänner mit Recruiting-Videos.
Was kostet ein Recruiting-Video?
Bei FLOKEN kostet ein Recruiting-Reel ab 250 €, inklusive Dreh, Equipment und Schnitt. Eine Serie aus vier Reels, an einem Drehtag gefilmt, kostet ab 1.000 €. Im Raum Mattersburg ist die Anfahrt kostenlos, außerhalb verrechnen wir 1 € pro Kilometer, hin und zurück. Als Kleinunternehmer verrechnen wir keine Umsatzsteuer.
Ihr nächster Schritt
Sie suchen einen Lehrling und wollen, dass Jugendliche in Ihrer Region Ihren Betrieb kennen? Wir drehen Recruiting-Reels direkt bei Ihnen, mit Ihren Lehrlingen und Ihrem Team statt mit Schauspielern. Im kostenlosen Profil-Check bekommen Sie drei konkrete Ideen für Ihre Lehrlingssuche, auch wenn wir danach nicht zusammenarbeiten. Mehr über unsere Arbeit für Handwerksbetriebe und Autohäuser und Kfz-Werkstätten.
Passende Leistung
Recruiting-Reels
Junge Leute suchen Jobs dort, wo sie ohnehin sind: auf Instagram und TikTok. Wir drehen Reels, die zeigen, wie es bei Ihnen wirklich zugeht, damit die Richtigen sich melden.